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  • Marcus 15:23 am 30. September 2016 Permalink | Antworten  

    Tao Te King – Prolog (Laotse und der Taoismus ) 

    Seitdem ich mich mit der Kampfkunst beschäftige ist der Taoismus Teil meines Lebens. Er wabert halt immer irgendwie mit mir mit, mal mehr mal weniger intensiv, aber er ist immer irgendwie bei mir. Neben der klassischen Kampfkunstliteratur (je nach Stil unterschiedlich) gibt es natürlich auch Standard-Werke, die jeder Schüler in seinem Bücherregal haben sollte – wenn er denn in der Kampfkunst eine Philosophie sieht und nicht das stumpfe Zertreten von Brettern, den sportlichen Aspekt und/oder den Teil der Selbstverteidigung.

    Zu diesen Büchern gehören aus dem Bereich Philosophie neben dem I Ging und Dschuang Dsis das wahre Buch vom südlichen Blütenland, natürlich auch Laotses Tao Te King.

    Das Tao Te King vom guten alten Laotse wird ja oft als der Ursprung, die Quelle des Taoismus benannt, was es aber nicht ist. Der Taoismus ist viel früher entstanden, wahrscheinlich schon zu der Zeit der Schamanen und Geistheiler und möglicherweise noch bevor die Menschen Chinas überhaupt seßhaft wurden. Das Bemerkenswerte an dem Werk ist die Tatsache, dass Laotse den Begriff Tao als erster (uns bekannter) Philosoph benannt hat. Erst durch ihn wurde das Wort Tao (Dao, Jao oder japanisch Do) mit der Bedeutung: Weg, Fluß, Sinn, etc… zum Tao des Taoismus.

    Ich will hier jetzt keinen geschichtlichen Abriss zum Taoismus liefern, auch keine philosophische, religöse oder kulturelle Abhandlung verfassen. Dazu fühle ich mich nicht berufen und da gibt es sicher Menschen, die dazu wesentlich besser in der Lage sind als ich. Ich möchte lediglich die Bedeutung dieses Buches für mich analysieren und auch disputieren. Ich lese viel in diesem Buch und in den nun 24 Jahren die es mich begleitet entdecke ich immer wieder neue Facetten in dieser Schrift – und das Krasse ist eigentlich: ohne die alten Facetten zu negieren. Als ob es mitwächst….

    1446Zu Laotse sei gesagt, dass die Wissenschaft sich darüber streitet, ob der Typ überhaupt existiert hat. Es wird eher angezweifelt, als daran geglaubt. Es heißt, das Tao Te King sei eine Art Zusammenfassung alter Weisheiten und Sprüche, die schlicht mit einem Autor versehen wurden, was auch der Name des Autors vermuten ließe: Laotse (Laozi, Laudse, Lau-tze, etc.) bedeutet „Alter Meister“. Ein weiterer Name für den Kerl ist Laodan, was soviel heisst wie „Altes Langohr“.

     

    Ich persönlich glaube, dass er existiert hat und seine Geschichte der Wahrheit recht nahe kommt. Es gibt zu viele Texte über ihn, Aufzeichnungen von Gesprächen, Legenden und Hinweise. Zudem wirkt das Tao Te King zu sehr „aus einem Guss“, als dass es eine Zusammenführung mehrerer Weisheiten sei. Und – auch das sollte man berücksichtigen – dieses „im Nebel der Zeit verschwinden“ seiner Person, würde ihm sicher gut gefallen. Er hat sich nie wirklich wichtig genommen und wollte in Abgeschiedenheit und Einsamkeit den Rest seines Lebens verbringen.

    Was soll hier nun passieren?

    Dies ist ja der Prolog – die Einleitung zu einer Reihe, die uns bestenfalls über 81 Kapitel begleitet. 81 Kapitel entsprechen den Kapiteln des Tao Te King. Jedes Kapitel ist nur wenige Zeilen lang – es ist also kein episches Werk, wie die Bibel, oder Krieg und Frieden, aber ein für die Menschheit wichtiges Werk – wie ich finde. Ich werde also Kapitel für Kapitel auseinanderpflücken und für mich interpretieren. Das habe ich schon ewig lange vor, jetzt wird es gemacht. Ich nutze hierfür die Übersetzung von Richard Wilhelm, die wohl die Bekannteste ist, werde aber hier und da auf weitere Übersetzungen zurückgreifen, wenn etwas nicht ganz deutlich ist. Den Begriff TAO werde ich fortführen und nicht wie manch andere durch Sinn, Weg oder gar GOTT ersetzen. Man könnte sicher auch MACHT oder GEIST zu sagen.. aber das würde alles irgendwie falsch klingen. Ich bleibe bei Tao.

    So. Eigentlich können wir dann in Kürze starten. Kapitel 1 wird nun vorbereitet. Ich freue mich drauf.

     

     
  • Marcus 14:46 am 5. September 2016 Permalink | Antworten
    Tags: Bahai, Bahaitum, Religion   

    Über die Religion Teil 2 

    Nach meinem letzten Beitrag „über die Religion“ habe ich mich – um ehrlich zu sein – nicht weiter explizit darum gekümmert. Es waren eher Zufälle (wenn man denn daran glauben mag), die mich in dem nunmehr über einem Jahr andauernden Gedöns, das wir Leben nennen, von Station zu Station führten. Diese eineinhalb Jahre haben mich, was dieses Thema angeht, dann doch irgendwie wieder etwa 23 Jahre zurückgestoßen, was allerdings nicht einer Rückwärtsentwicklung entspricht, sondern eher einer Weiterentwicklung… so seltsam sich das auch anhören mag.

    Im letztem Beitrag zu diesem Thema habe ich mit dem Islam aufgehört, jetzt fange ich – zumindest in der Ecke Islam – an. Ich habe geschrieben, dass ich mich hier mal ein wenig intensiver drum kümmern werde, was ich auch getan habe und es ist ein recht ambivalentes Verhältnis zu dieser Religion zurückgeblieben, der sich mittlerweile über alle „abrahamitischen Religionen“ erstreckt. Ja, der Grundgedanke ist toll. Ja, die Gründer dieser Religionen hatten alle ziemlich viel Mist zu ertragen. Aber ausnahmslos ALLE haben eine Entwicklung hinter sich, die ich weitestgehend abstoßend finde. Jede dieser Religionen hat irgendeine Art von elitärem Anspruch, grenzt sich auf irgendeine Art und Weise von anderen ab und fühlt sich letztlich irgendwie von Gott „auserwählt“, sich zu verbreiten, die Menschheit unter deren Banner zu einen, oder -wenn es nicht klappt-  auszugrenzen, bzw. sogar zu vernichten.

    Diese Gedanken sind bei ausnahmslos ALLEN abrahamitischen Religionen mehr oder weniger extrem vorhanden.

    Zu den abrahamitischen Religionen zähle ich in jeweils jedweder Ausprägung:

    • Christentum
    • Judentum
    • Islam
    • Baha’itum
    • und andere, die in ihrer Ausprägung zu klein sind um sie zu einer eigenständigen Religion zu machen (Babismus, Sufismus, etc.)

    Der Islam ist eine ziemlich zerfetzte Religion. Er hat diverse Ausprägungen, die sich mehr oder weniger spinnefeind sind und sich gegenseitig als Sekten, Abtrünnige, Feinde des wahren Glaubens, etc. bezeichnen. Damit hat der Islam nun kein Alleinstellungsmerkmal, das gibt es nun leider in JEDER abrahamitischen Religion. Und wer nun sagt: „Die gehen aber nicht mit Waffen aufeinander los!“, der soll sich mal auf der Kriegs-Weltkarte umsehen. Ich gehe hier jetzt nicht näher darauf ein.

    Dann bin ich auf die Baha’i gestossen und war ziemlich fasziniert von deren Weltbild und Religionsdefinition. Ohne hier jetzt im Detail darauf eingehen zu wollen sagen die Baha’i, dass Gott, oder das, was wir Gott nennen, immer mal wieder jemanden damit beauftragt die Menschheit näher an Gott rücken zu lassen. Das fängt mit Adam an und geht dann weiter über Abraham und Moses, etc. bis hin zu Baha’u’llah, der nun vorerst der letzte dieser Gesandten war. Interessant ist dieser Gedanke insofern, dass hier nicht nur auf die abrahamitischen Gesandten herumgeritten wird, sondern auch die Kollegen Buddha, Zarathustra, Krishna, etc. ins Boot geholt werden. Das klingt ja erstmal sympathisch, oder?

    Weiterhin gibt es bei den Baha’i keine Priesterkaste, man ist also selber verantwortlich für seine Beziehung zu Gott. Die Baha’i stehen für Akzeptanz aller Religionen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und Aussagen, wie „Die Welt ist ein Land und alle Menschen seine Einwohner“ klingen ja durchaus cool. Die Schriften von Baha’u’llah lesen sich wie schöne Poesie und lassen den tiefen Glauben von ihm erahnen. Er muss auf jeden Fall eine recht beeindruckende Gestalt gewesen sein. Die Lebensgeschichte von Mirza Ali Hussein, der sich dann den Namen Baha’u’llah (Herrlichkeit Gottes) gab, liest sich ähnlich wie die der anderen abrahamitischen Gesandten… lass es nun Noah, Abraham, Jesus oder auch Mohammed sein… die Kollegen haben alle für ihren Glauben eine Menge durchmachen müssen. Ich stelle mir dann immer die Frage, was hat die solange durchhalten lassen? Die müssen echt überzeugt gewesen sein, von dem was sie da tun.

    Aber selbst wenn diese Gesandten aus einer Überzeugung heraus gehandelt und ihr Leben gestaltet haben, das Resultat ist letztlich einfach fürn Arsch. So auch bei den Baha’i, wie ich dann leider irgendwann feststellen musste.

    Ich bin ein freiheitsliebender Mensch, Zwang und Pflicht sind mir ein Graus, sofern sie nicht meiner Lebensgrundlage dienlich sind. Besonders bei so einer persönlichen Sache wie dem Glauben will ich mich in erster Linie wohlfühlen und mich dem gerne hingeben. Das geht nicht, wenn ich etwas finde, was meinen persönlichen Ansichten, meiner Moral und meiner Einstellung zuwider geht. Dass die Baha’i nun auch ihre Regeln haben, ihre Gebete und Riten, etc. ist geschenkt. Ich meine, diese Dinge geben einem Glauben seine Grundlage und eine Basis ihn leben zu können. Wenn diese Dinge nun anfangen die persönliche Freiheit einzuschränken (und das sind alle Dinge, die ich nicht freiwillig tun möchte), beginnt es lästig zu werden. Wenn dem nun auch noch eine Art Zwang beigefügt wird, hört es für mich auf.

    Die Baha’i haben also oberste Instanz das sogenannte Universale Haus der Gerechtigkeit, in dem die gewählten 9 Vertreter des Glaubens, die „Hände Gottes“ als eine Art Rat zusammenhocken. Dieser Rat ist für alle Belange des Glaubens zuständig. Der Rat wurde von Baha’u’llah angeregt und nach dem Tod des letzen Oberhauptes der Baha’i ins Leben gerufen. Dieser Rat hat nun in den Jahren seiner Existenz viele vormals freiwillige Handlungsweisen eines Gläubigen zu Pflichten erhoben und tut dies auch weiterhin. Da diese Hände Gottes nun auch über jeder Kritik stehen (da sie ja Gottes Willen auf Basis der Schriften von Baha’u’llah interpretieren) lässt sich nicht darüber diskutieren. Sollte man aber nun doch diskutieren und darüber sprechen wollen, schwebt bald das Damoklesschwert des „Bundesbrechers“ über einen – man wird also aus der Gemeinde verstoßen. Dies geschieht rigoros und in aller Härte. Selbst Verwandte und Freunde die Bahai’s sind müssen JEDEN KONTAKT mit den Bundesbrechern unterbinden. Das klingt (Ironie) nach einer gepflegten Gesprächskultur…Krasse Geschichte…

    Ich habe mich in den letzten Monaten mit einigen Baha’i getroffen und viele (nicht alle) beklagen diese Veränderungen, zumal diese Pflichten wirklich starken Eingriff in den Tagesablauf nehmen. Vom Pflichtgebet (es gibt drei Stück. eines muss mindestens 1x tgl., am besten aber 3x tgl. gemacht werden) mal abgesehen, muss man als Baha’i irgendwann am Tag 95x eine Art Mantra vor sich hinsummseln, wahrscheinlich ursprünglich mal als Meditation gedacht, und 2x tgl. in den Schriften der Baha’i lesen. Gut. Ich meine als Gläubiger tut man das ja sowieso.. also beten und die Bücher seiner Religion lesen. Dann macht man das ja auch gerne… das aber nun als PFLICHT anzusetzen halte ich für falsch. Vielleicht bin ich da auch etwas empfindlich, aber solche Regeln nehmen mir persönlich die Luft zum Atmen und entfernen das Schöne an einem Glauben.

    Weitere Punkte, die die Baha’i irgendwie seltsam erscheinen lassen sind folgende Tatsachen: Trotz der Idee der Gleichberechtigung von Mann und Frau ist es Fakt, dass diese 9 „Hände Gottes“, also der Rat der sich um die Belange des Glaubens kümmert, nur und ausschließlich aus MÄNNERN zu bestehen hat. Auf die Frage warum das so ist, bekommt man als Antwort: „Das ist so, das wurde so von Baha’u’llah und/oder Abdul Baha festgelegt, deswegen muss das so sein.“  Ich habe dann nochmal gefragt: „Ja, aber warum wurde das so festgelegt, das macht doch gar keinen Sinn, gerade im Hinblick auf die eigentliche Offenheit dieses Glaubens.“ worauf als Antwort kam, dass man nicht wisse, wieso das so festgelegt wurde, aber es ist nun mal so, daher müsse man sich daran halten. Baha’u’llah sagte wohl mal dazu (womöglich weil er erkannt hat, dass dies irgendwie der Idee der Gleichberechtigung widerspricht) folgendes so, oder so ähnlich: „Warum nur Männer im Universalen Haus der Gerechtigkeit sitzen, wird in Kürze so klar sein, wie die Sonne am Himmel steht!“

    Ah ja.

    Die Baha’i rühmen sich einer gewissen Toleranz und schließen öffentlich niemanden von vornherein aus, was ja erstmal eine tolle Idee ist so ganz grundsätzlich. Jeder, der sich also mit dem Weltbild der Baha’i identifizieren kann und Baha’u’llah als Gesandten Gottes sieht, ist also dazu befähigt Baha’i zu sein. Dazu benötigt man keinerlei Ritus oder so, es genügt ein Kärtchen mit dem man sich beim sogenannten „Nationalen geistigen Rat“ des jeweiligen Landes registrieren lässt. Was aber, wenn man homosexuell ist? Da hört der Spaß dann auf!

    Homosexualität wird bei den Baha’i recht unterschiedlich gesehen, in einem Punkt sind sich aber alle einig: es ist wider der Natur und entspricht nicht den Geboten Gottes. Jede/r Homosexuelle muss an sich arbeiten diese Eigenart zu überwinden um gegenüber Gott als vollwertiger Gläubiger angesehen zu werden.

    Homosexuelle Menschen werden also nicht von vornherein ausgeschlossen oder abgelehnt. Sie müssen aber bereit sein, an dieser Perversität zu arbeiten. Interessant wird es, wenn man mit Baha’is darüber sprechen will. Offene Baha’i verstehen es selber nicht, zucken aber mit den Schultern und sagen „es ist halt so“, während orthodoxere Kollegen sogar auf die Gebote Gottes im alten Testament bei Moses verweisen. Somit habe ich gelernt, dass das Akzeptieren aller anderen Religionen einen weiteren Vorteil mit sich bringt: man hat um so mehr Schriften, die man als Rechtfertigung für seine eigenen Überzeugungen zu Rate ziehen kann.

    Zum Teil erschütternde Geschichten und Berichte von homosexuellen Baha’i findet ihr hier: GAY BAHAI.

    Und es gibt viele weitere kleine nervige Punkte, die erst zutage treten, wenn man sich intensiver mit den Kollegen beschäftigt. Was auf den ersten Blick wie eine Religion aussieht, die sich dem Zeitgeist und der Freiheit verbunden fühlt, wird beim näheren Hinsehen recht schnell klar, dass es leider nicht so ist.

    Soviel mal dazu.

    Also … mein Streifzug durch die abrahamitischen Religionen hat sich als desaströs herausgestellt. Nichts gegen die Gründerväter, die müssen tatsächlich schon coole Säue gewesen sein, aber das Resultat ist niederschmetternd. Ich dachte in den letzten eineinhalb Jahren, dass die Baha’i tatsächlich eine Art Reformbewegung dieser Religionen darstellen könnte, aber weit gefehlt. So sympathisch und logisch einige Dinge klingen, letztlich ist nur der Kackhaufen frischer, in dem man wühlt. Sie nehmen sich alle nichts, im Kleinen, wie im Großen.

    Es ist gruselig, wenn man sich bei den Religionen der Welt so umsieht. Was auf dem ersten Blick wirklich gut aussieht, entpuppt sich leider schnell als ein alter Geist im neuen Kleid.

    Für mich persönlich sind all diese Religionen nichts. Jeder, der in seiner Religion glücklich ist/wird bekommt von mir einen Klapps auf die Schulter und ein „Ich freu mich für Dich“, aber für mich das alles eine Farce.

    Der goldene Grundsatz: „Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ ist eigentlich DER große Handlungsgrundsatz, der die Menschheit führen sollte – und an den ich mich versuche halten. Seltsamerweise findet der sich leicht abgewandelt in JEDER Religion der Welt der wieder.

    Warum nur hält sich keine Religion daran?

     

     

     

     

     
  • Marcus 11:01 am 8. July 2016 Permalink | Antworten
    Tags: , FPÖ, Hofer, Präsidentschaftswahl   

    Karl Kraus und die Präsidentschaftswahl 

    Karl Kraus, die ÖsterreicherJa, was soll ich sagen. Als Österreicher hatte man es noch nie leicht. Und als Österreicher, der in Deutschland aufwächst und lebt schon mal gar nicht. Einerseits ist man für die Österreicher so etwas wie ein Flüchtiger und wird im Beamtenösterreichisch als „Auslandsösterreicher“ bezeichnet.  Andererseits ist man für die Deutschen entweder ein Ausländer, oder eben einfach kein richtiger Deutscher, oder ein Abkömmling des Großdeutschen Reiches, so dass ich irgendwann den Eindruck hatte, dass Österreich eigentlich gar kein richtiges Land ist. Es ist ein Überbleibsel, ein rudimentärer Rest eines einstigen Vielvölkerstaates, der sich selbst als „deutsch“ definiert, aber dennoch mit Krallen an eine eingeredete Kultur klammert, die lediglich eine vermengte Kombination aus vielen anderen Kulturen ist.

    Aber sei’s drum, mich hat es nie gestört und irgendwie habe ich mir auch diese „Besonderheiten“ zu eigen gemacht und damit spielen gelernt.

    Ach ja, die blöden Anspielungen auf Hitler, Pikropil und die FPÖ lasse ich hier mal weg. Und dennoch muss man sich damit einfach auseinandersetzen, insbesondere aufgrund der Entwicklungen in den letzten Monaten. Das Erstarken der FPÖ und des seltsamen nationalen Stolzes schürt in mir ein ungutes Gefühl. Ich meine, dass sich die Österreicher -ähnlich wie die Schweizer- gerne in ihren Alpen verbarrikadieren und eine gewisse Eigentümlichkeit entwickelt haben: geschenkt. Dennoch will der Österreicher irgendwie irgendwie offen, diplomatisch und global an der Weltpolitik teilnehmen, wahrscheinlich immer mit Metternich im Hinterkopf, der die große Aufteilung Europas nach Napoleon organisiert hat.

    Diese Zerrissenheit und dieses Rumgeeier  macht sich deutlich in der Politik und im Volk bemerkbar. Die sogenannte Europäische Krise verschärft noch diese österreichische Zerrissenheit und macht nun deutlich klar, wo der Österreicher politisch steht. Für mich als „Auslandsösterreicher“ wirkt die österreichische Politik wie ein Griff ins Klo nach dem anderen. Und der Strache steht am Drücker und ist kurz davor das Land zusammen mit dem braunen Dreck in die Kanalisation zu spülen.

    Ich hatte ja die leise Hoffnung, dass Österreich den Europäischen Idiotie-Preis langfristig an die Briten aufgrund des Brexit abgeben – weit gefehlt. Kurz darauf holen wir uns den wieder mit der Wiederholung der Präsidentschaftswahl 2016.

    Sofort kam mir Karl Kraus in den Sinn, dessen Zitat diesen Beitrag hier krönt und ich für meinen Teil muss ehrlich zugeben, dass es mir zunehmend peinlich wird meine Staatsbürgerschaft preis zugeben. Ich fühle mich sowieso als „Weltbürger“, habe insgesamt eine eher globale Einstellung, dennoch kommt man ja immer mal in eine Situation, in der man den Reisepass oder Personalausweis vorzeigen muss. Ich mache das mittlerweile ungern.

    Ich kenne die österreichische Behäbigkeit. Sicherlich werden sich viele denken: „Jetz wissens eh ohle, jetz wiad a eh ned gwöhd, dea Hofah…“…. ja NEE! Genau das befürchte ich nämlich! Lieber nen G’Spritzten saufen, als zur Wahl zu gehen und irgendwie hoffen, dass sich sowieso alles zum Guten wendet. Und wenn nicht, dann wird halt debattiert.

    Also AUF ihr Österreicher: GEHT ZUR WAHL und setzt ein Zeichen GEGEN rechts – nicht FÜR!

    Noch bin ich nicht soweit, wie mein Landsmann Elyas M’Barek, das kann sich aber im Oktober dieses Jahres ändern.

     
  • Marcus 12:34 am 4. April 2016 Permalink | Antworten  

    Moderat Live, München Zenith, 31.03.2016 

    Konzerte in München sind immer etwas besonderes: man weiß nie was einen genau erwartet. Ob man nun plötzlich in einem Pulk der klassischen Münchner Schickeria feststeckt, 4 Stunden auf den Einlaß wartet, weil die Konzert-Organisation es nicht hinbekommt ONLINE-Tickets von konventionellen Tickets zu unterscheiden, oder ob man einfach nur unter angenehmen Menschen ein tolles Konzert erlebt – alles ist möglich.

    So auch beim Konzert von Moderat im Münchner Zenith. Das Zenith ist relativ leicht zu finden, es gibt mehr als genug Parkmöglichkeiten (wenn man 5€ fürs Parken ausgeben möchte) und das gesamte Areal gefällt mir persönlich ziemlich gut. Die alten Industrieflächen wirken zwar spartanisch, passen aber perfekt zu einem Elektronik-Konzert, auf das wir uns schon mächtig gefreut haben. Die Leutz, die Moderat sehen wollten waren alterstechnisch bunt gemischt, von geschätzten 17jährigen Mädels und Jungs bis zu junggebliebenen Mitt50ern war irgendwie alles vertreten. Die Stimmung war echt nett, beinahe harmonisch… und hier muss ich echt mal ne Lanze für München brechen – die Leute sind einfach super! Ich habe bisher bei jedem Konzert in München – ob nun Reggae, Metal oder Elektro – nur und ausschließlich eine positive Grundstimmung erlebt. Deppen gibt es überall, keine Frage – in München schaffen es die aber offenbar nicht, die Stimmung komplett kippen zu lassen.

    Wie auch immer – mit diesen positiven Eindrücken sind wir rein in die Halle, packen uns irgendwo ins hintere Drittel vor die Bühne und warten die Vorband ab. Na… Band ist etwas übertrieben. Es war Shed, mir ist der Typ bis dahin kein Begriff gewesen, aber er hat es nicht geschafft auch nur einen Funken in Richtung Publikum überspringen zu lassen. Ein „DU HAST ES VERSUCHT!“ aus dem Zuschauerraum war so das allgemeine Resümee Kommentar. Nach viel zu langen 30min wurde dann sein Set abgebaut und es hieß wieder warten.

    Um etwa 21:30 Uhr ging es dann los mit Moderat. Man hat gemerkt, dass die Jungs etwas erstaunt über die Menge an Menschen war, die sich im Zenith versammelt haben… aber sie haben es schnell geschafft das Publikum zu packen. Fokus lag natürlich auf den Titeln der neuen Scheibe, aber auch ältere Klassiker wurde natürlich ausgepackt und gespielt. Ich muss sagen, besonders LAUT war es nicht, aber die Bässe waren so dermaßen krass, dass meine Unterschenkel mitvibrierten…😀

    Die Laser- und Lichtshow war genial, aber man hat schon gemerkt, daß das gesamte Setup für kleinere Räume/Hallen konzipiert war. Im Zenith ist die Show um die Musik herum in Gänze leider etwas „verschwunden“, war aber geil genug um mich zumindest echt zu beeindrucken.

    Um etwa 23 Uhr und insgesamt 4 (oder waren es 6) Zugaben haben Moderat dann eingepackt. 2,5 Stunden etwa haben die Kollegen gespielt und ich muss sagen – die hätten nochmal locker 2,5 Stunden drauflegen können! Die Stimmung war super und die Musik und die Bässe einfach nur fett.

    Leute: sofern ihr auf die Musik steht – tut euch Moderat bei euch in der Nähe Live an. Ihr werdet es nicht bereuen! Ich zumindest werde die Jungs weiter auf der Kette haben und ganz sicher wieder Live sehen!

    Ich habe es leider aufgrund des genialen Konzertes verpennt ein paar Fotos und Videos zu machen (ich war zu fasziniert von dem Ganzen), daher hier ein kleines Video von dem Münchner Konzert 2014 im Kesselhaus. München.

    In diesem Sinne!

     
  • Marcus 15:30 am 21. March 2016 Permalink | Antworten
    Tags: Antilopen Gang, NMZS   

    die wichtigsten Dinge im Leben sagt man leise* 

    *(Antilopen Gang – Ibiza)

    R.I.P NMZS – 28.11.1984 – 20.03.2013

     

     
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